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Monday, 14.09.2026
Transforming Government since 2001
Die digitale Signatur ist ein Ladenhüter.

Stell dir vor, es gibt eine voll rechtsgültige Unterschrift via PC und Internet, aber kein Bürger interessiert sich dafür. Zu technisch, zu kompliziert, zu unpraktisch, zu teuer: Die digitale Signatur, im Behördenumfeld auch gerne Bürgerkarte genannt, ist seit Jahren ein Ladenhüter. Auch der im Vorjahr erhoffte Schub durch das Anbringen des Signaturchips auf jeder Bankomat(Maestro)-Karte blieb aus. Statt der erhofften 200.000 zusätzlichen Anwender kamen bis Ende 2005 gerade einmal 15.000 hinzu. Insgesamt gibt es rund 70.000 Nutzer, hauptsächlich aus der Wirtschaft.

Nun droht die erste Millionen-Pleite im Bereich eGovernment: Die Zertifizierungsfirma A-Trust, als Anbieter des gesamten "Signatur-Equipments" die zentrale Drehscheibe der elektronischen Unterschrift, steht mit 5,4 Mio. Euro in der Kreide. "Wir hängen am seidenen Faden und versuchen eine Entschuldung der Firma", heißt es auf Anfrage des KURIER aus dem Aufsichtsrat.

Heute, Freitag, wird über das weitere Schicksal entschieden. Fließt kein frisches Geld, droht das Aus. Die größten Gesellschafter der A-Trust sind die drei Banken BAWAG/P.S.K, BA-CA und Raiffeisen sowie die Nationalbank, Telekom Austria und die Wirtschaftskammer. Die Nationalbank zog kürzlich die Reißleine und weigert sich, weitere Millionen in die A-Trust zu pumpen, ist zu hören. Tatsächlich war die A-Trust bisher ein reines Defizitgeschäft, insgesamt 24 Mio. Euro sollen in den vergangenen Jahren in das Unternehmen geflossen sein, ohne auch nur annähernd eine Aussicht auf Gewinn.

Folgen

Sollte die A-Trust Konkurs anmelden müssen, wird ihr sofort vom Telekom-Regulator die Zertifizierungs-Lizenz entzogen. Ein neuer Eigentümer müsste sämtliche Signaturen neu zertifizieren lassen – für die Kunden eine mühsame Sache.

Die Gesellschafter versuchen daher verzweifelt, die Firma zu retten und neue Partner ins Boot zu holen. "Wir haben eine Allianz der Willigen gebildet und wollen mit neuen Partnern weitermachen", so ein Aufsichtsrat. Erste Gespräche gab es bereits mit Microsoft, die sich dem Thema Internet-Sicherheit derzeit besonders annehmen. Auch der IT-Dienstleister Raiffeisen Informatik könnte ein Partner sein.

Ein Hilferuf an die Regierung, die sich gerne ihrer eGovernment-Erfolge rühmt, verhallt ungehört: "Der Staat soll sich nicht in private Firmen einmischen", meint der eGovernment-Beauftragte Christian Rupp.

Autor: Anita Staudacher

Quelle: Kurier, 26.01.2006

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