Obwohl RFID gerade auch ohne Sichtverbindung funktionieren soll, sind die Grenzgänger gehalten, ihr I-94A-Formular offen ("visible") bereitzuhalten. Offenbar rechnen die Behörden mit Abschirmeffekten, wie sie zum Beispiel vom Autoblech hervorgerufen werden können. Ferner stellt das DHS klar, dass Besitzer eines RFID-fähigen I-94A-Formulars nicht gezwungen sind, zur Ausreise einen der Testübergänge zu nutzen. Ihnen stehen weiterhin alle Grenzübergänge zur Verfügung. Ein sichtbares Zeichen, ob ein RFID-Tag ausgelesen wird, soll es für den Besitzer des Vordrucks nicht geben. Das DHS appelliert an die Touristen, nicht extra am Übergang anzuhalten, um sich danach zu erkundigen.
Zum Datenschutz erklärt das DHS, dass das I-94A lediglich eine unveränderliche Seriennummer enthält, die nur in Datenbanken des DHS einem Individuum zugeordnet werden kann. Die Seriennummer mache die Formulare zusätzlich manipulations- und fälschungssicher. Da zum Auslesen des amtlichen RFID-Tags spezielle Hardware erforderlich sei, bestünden hohe technische und finanzielle Hürden für ein Auslesen durch Unberechtigte. Daher sei praktisch ausgeschlossen, ein Tracking der Aufenthaltsorte einer Person zu erstellen, die das Formular mit sich herumträgt. Das Center for Immigration Studies (CIS) übt umfangreiche Kritik an der Umsetzung von US-VISIT. In einem Backgrounder vom August 2005 (PDF-Datei) weist das unabhängige und nichtkommerzielle CIS darauf hin, dass das RFID-Verfahren nicht die große Zahl der so genannten Border Crossing Cards umfasst, die für Kurzbesuche in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden. Die gängige Abfertigungspraxis erleichtere es, diese Papiere zum Beispiel für das Pendeln zur Schwarzarbeit in den USA zu missbrauchen. Ein Medienbericht zitiert die CIS-Analystin Jessica Vaughan mit dem Verdikt, dass, solange dieser Zustand anhalte, der Einsatz von RFID einer High-Tech-Variante der Potemkinschen Dörfer gleichkomme.
Siehe zum Thema auch:
- USA testen RFID-Technik an Grenzübergängen
- Scharfe Kritik an der geplanten Einführung neuer Pässe und Ausweise
- Zehn Finger in den Pass
- Ministerium: Kostenangaben für Biometrie-Reisepass nur Spekulation
- Biometriepass mit verschärfter Zugangskontrolle und E-Signatur ab 2007
- EU-Pläne zu Biometrie-Visa stecken in Sackgasse
- Chef des US-Department of Homeland Security tritt zurück
- US-Abgeordneter kritisiert IT-Infrastruktur für Grenzsicherungsprogramm
- Reisepass mit RFID-Chip
Autor: (ssu/c't)
Quelle: Heise online, 09.08.2005
