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Sonntag, 5.04.2026
Transforming Government since 2001
Vom nächsten Jahr an vergibt Hamburg öffentliche Aufträge per Netz

E-Mail statt Amtsschimmel: Ab 1. Januar 2003 wird die öffentliche Auftragsvergabe der Hansestadt Hamburg komplett elektronisch abgewickelt, teilte Burkhard Schlesies, Pressesprecher der Finanzbehörde, der WELT mit. Hamburg erwartet dabei sinkende Verwaltungskosten von schätzungsweise 20 Prozent und vor allem mehr Wettbewerb im Internet. "Wir rechnen damit, dass die Preise der Firmen um bis zu 15 Prozent sinken." Bislang habe es in der Hansestadt noch "keine echte elektronische Auftragsvergabe gegeben", sagte er. Derzeit können zwar interessierte Firmen auf der Hamburg-Homepage aktuelle Ausschreibungen der Finanzbehörde online einsehen. Aber die eigentlichen Ausschreibungsunterlagen müssen gegen "Voreinsendung von fünf Euro" bei der Finanzbehörde geordert werden. Auch sei es möglich, die Papiere "werktags von neun bis 14 Uhr in Zimmer 100" einzusehen oder zu erwerben, heißt es da.

Ab Januar ist Schluss mit soviel Bürokratie: Beim neuen System von E-Government wird die Ausschreibung komplett per Netz abwickelt - das spart lästige Wege, unnötige Kosten und sorgt für Transparenz. Schlesies: "Derzeit sind wir dabei, die Mitarbeiter zu schulen." Damit hat Hamburg die Nase vorn, denn der Bund will erst bis zum Jahr 2005 alle internetfähigen Dienstleistungen der Bundesverwaltung online anbieten.

Nach einer Studie der Uni Herdecke werden derzeit bundesweit lediglich knapp neun Prozent aller öffentlichen Aufträge elektronisch vergeben. Das Einsparpotenzial liegt nach Angaben von Mummert & Partner bei 20 Milliarden Mark im Jahr. Jörg Forthmann, Pressesprecher der Unternehmensberatung, erwartet für Hamburg insbesondere Einsparungen bei der so genannten A-Ware, die besonders teuer ist. Mit dem neuen System hätten die Mitarbeiter in den Verwaltungen mehr Zeit und Überblick, sich mit den speziellen Angeboten und Rabatten zum Beispiel bei Röntgengeräten zu befassen und das optimalste und preisgünstigste auszuwählen.

Thomas Kulemann, Vorstandsmitglied beim Landesverband Hamburg des Steuerzahlerbundes, sagte der WELT, Hamburg sei "in kleinen Schritten auf dem richtigen Weg". Für die Bürger gebe es im Rahmen der virtuellen Verwaltung allerdings nicht den entscheidenden Durchbruch. Zwar könnten Formulare per Netz herunter geladen werden. Aber wegen fehlender Datensicherheit und Signaturkarte müsste man den traditionellen Postweg nutzen.

Links ins World Wide Web Quelle: Die Welt
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