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Im medizinischen Bereich muss IT nicht mehr im Wartezimmer Platz nehmen. Auch das Organisationssystem wird verstärkt - durch den elektronischen Patientenakt.

Zehn Tage zog die Grippe sämtliche viralen Register. Als der Arzt bereits Entwarnung geben wollte, wurde es plötzlich noch einmal ernst - zum ungünstigsten Zeitpunkt. Mitten in der Nacht schnellte die Fieberkurve des älteren Mannes in die Höhe, der Kreislauf fiel in den Keller. Eine fatale Situation, der geschwächte Patient konnte kaum noch reagieren. Doch Hilfe war schon unterwegs: Am Körper befestigte Sensoren hatten die Verschlechterung via UMTS-Mobiltelefon neben dem Bett drahtlos an seine medizinischen Betreuer übermittelt - diese konnten rasch helfen. Solche Warnsysteme entstammen keineswegs einem Sciencefiction-Drehbuch: Schon vor Jahren wurden erste Pilotprojekte auf Fachmessen präsentiert. Sie galten als deutliches Indiz dafür, dass die IT auch im Gesundheitsbereich nicht mehr im Wartezimmer Platz nehmen muss. Im Gegenteil: Hoch dosierte Elektronik gewinnt immer mehr an Bedeutung, wenn es um Optimierung von Abläufen sowie gesteigerte Effizienz geht.

Externe Radiologie

Der Patient profitiert: von besserer Betreuung, von raschen Reaktionen. Internet-Breitband beispielsweise kann den Aktionsradius vergrößern: Sollte im Spital gerade kein Radiologe verfügbar sein und dringlicher Handlungsbedarf bestehen, kann die Verbindung zu einem externen Zentrum eine überaus hilfreiche Alternative darstellen. Alfred Reinprecht, Marketingleiter im Hause Kapsch BusinessCom, definiert jenen Techno-Nutzen: "Rasch verfügbare Befunde, schnelle Eingrenzung von Problemen, und damit ein früherer Beginn medizinischer Maßnahmen."

Die Kosten sinken gleichermaßen, da ein solcher Spezialist gleich mehrere Häuser abdecken kann. Es sind eben auch profane materielle Gründe, die zu einer Verschreibung von mehr und besserer E-Health führen: "Die positive Entwicklung wird durch steigenden Kostendruck beschleunigt, der im Gesundheitswesen herrscht", erklärt Reinprecht. Dieser betrifft keineswegs nur Medikamente oder Geräte, sondern auch Daten. Die Vernetzung übernimmt eine tragende Aufgabe: Informationen aller Art müssen jederzeit schnell und dezentral zur Verfügung stehen.

Technologie stärkt das Immunsystem der Akteure und Institutionen: "Ein elektronischer Patientenakt, der als Sammelstelle für Informationen dient und übergreifenden Zugriff auf Dokumente, Bilder und Daten gewährt, ist unumgänglich", betont Harald Haghofer, Professional Services Manager von SER Solutions Österreich. Die Vorteile zeigen sich beispielsweise im Spital: Der Mediziner kennt nicht nur aktuelle Fakten, sondern weiß über andere Aufenthalte Bescheid und kann präzise Entscheidungen treffen.

Papierlos

Die Entwicklung der Telemedizin geht noch weiter: "Viele Projekte beschäftigen sich damit, Daten ohne Umweg über Papier zu verarbeiten", weiß Haghofer. Während traditionelle Archive also auf ihre endgültige Pensionierung zusteuern, erhöht Hightech die Flexibilität: Früher wurden Daten, die der Patient im Krankenhaus gesammelt hatte, erst nach der Behandlung gescannt. Jetzt geht der Trend in eine andere Richtung: Das Material soll sofort erfasst werden und online an den Arzt gehen. Wie das Foto einer Verletzung, in der Ambulanz via Digitalkamera dokumentiert. Bevor der Betroffene auf die jeweilige Station überwiesen wird, gewinnt der Fachmann Zeit: Er kann sich schon ein Bild von der Lage machen.

Autor: Christian Prenger

Quelle: ECAustria, 16.08.2005

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