Wiener Gebietskrankenkasse, Hauptverband und Wiener Ärztekammer präsentierten am Mittwoch zur Verteilung der E-Card in Wien Details, wobei Ärztechef Walter Dorner klarstellte: Vorbehalte gegen die E-Card gibt es in der Wiener Ärzteschaft noch immer. Dorner verglich die Einführung der Karte mit einem Dominowettbewerb, bei dem nicht alle Steine umfallen. Systemfehler seien auch bei der E-Card noch nicht ausgemerzt, zeigte er sich überzeugt.
"Ich verstehe nicht, warum man das ohne Rücksicht auf die Erkenntnisse aus dem Probebetrieb mit Hudelei über die Bühne bringt." Dorner klagte auch über zusätzliche Kosten durch die Implementierung des Kartensystems.
Derzeit werden in der Bundeshauptstadt Karten verschickt, Simmering und Favoriten sind derzeit dran. Bis Ende des Jahres sollen 1,5 Mio. Karten ausgeliefert werden.
Neuer Wirbel vor Start der E-Card
"Degradierung zu Datenlieferanten"
Die Wiener Ärzte wollen aber trotzdem helfen, um den Roll-out in Wien bestmöglich über die Bühne zu bringen. Die Einführung sei ein "realpolitisches Faktum" und als solches nicht mehr zu ändern.
Die Wiener Hausärzte äußerten sich bei einer Veranstaltung des Wiener Hausärzteverbands am Abend davor mehr als kritisch. Durch den Peering Point, ein zentraler Knoten, über den alle Daten aus der Ärzteschaft laufen, würden die Ärzte zu Datenlieferanten degradiert.
An die Sicherheit des Systems glauben die Ärzte auch nicht, es habe im Burgenland schon Fälle gegeben, die einem zu denken geben würden, so die Wiener Ärztin Claudia Nitsch. Ärztekammer und Hauptverband hätten bis dato kein Wort darüber verloren, wie die Sicherheit der Patientendaten garantiert werden solle.
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat [ÖVP] sieht keinen Datenmissbrauch bei den Fällen im Burgenland. Hier sei lediglich ein Fehler auf Seiten der Krankenkasse passiert.
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Der Peering Point ist ein zentraler Knoten, über den alle Gesundheitsdaten transportiert werden: die Befundübermittlung, das elektronische Rezept und die Unterlagen zur Gesundenuntersuchung. Abseits davon werden auch die geplanten Mehrwertdienste wie E-Mail, Internet und Internet-Telefonie darüber laufen.
Erste Ungereimtheiten bei E-Card
Unabschätzbare Mehrkosten
Die Ärzte empören am meisten die Mehrkosten, die durch das System auf sie zukommen. Neben den monatlichen Kosten von rund 40 Euro werden für jede Zusatzleistung wie etwa Internet-Surfen und E-Mails weitere Entgelte fällig.
Wie hoch die sein können, steht laut Wiener Ärztekammer bis dato noch nicht fest, im Fall des Falles müssen die Ärzte wohl zwei Leitungen gleichzeitig zahlen.
Auch die späte Entscheidung den, vor allem in Wien stark verbreitenen, Provider UPC Telekabel [chello] zuzulassen, ruft bei den Ärzten Kritik hervor. Viele Ärzte hätten sich bereits für einen der anderen drei Provider [UTATele2, Telekom Austria und Inode] entschieden und würden sich nun entsprechend ärgern, so Dorner.
Manfred Weindl, Präsident des Wiener Hausärzteverbands, sieht im Peering Point eine Entmündigung der Ärzte. Kritik wurde auch an der eigenen Standesvertretung, der Ärztekammer, geübt. Sie hätte die Ärzte nicht über die Gefahren informiert und Verträge unterschrieben, die keiner wolle.
Das Ärzte-Intranet in der Kritik
Hauptverband als Datenanwalt
Der Hauptverband, am Mittwoch vertreten durch den zuständigen Generaldirektor Volker Schörghofer, sieht keine "Hudelei" - lediglich die Übergangsphase solle möglichst kurz gehalten werden.
Sicherheitsbedenken - wie sie zuletzt auch der Wiener Hausärzteverband geäußert hat - wollte Schörghofer nicht gelten lassen: "Wir sehen uns als Anwalt der Daten der Versicherten."
Alle Daten seien "in Hochsicherheitszentren gespeichert" und der Transfer laufe über gesicherte Leitungen. Sensible Daten, etwa Befunde, würden verschlüsselt übermittelt. Die Karte selbst sei lediglich ein "Schlüssel" zum System, auf der keine Daten gespeichert werden. Auch die Österreichische Ärztekammer wies die Kritik zurück.
In Wien werden jene Patienten, die zwar eine Karte haben, aber deren Ärzte noch nicht über das passende System verfügen, ohne zusätzliche Kosten zum Arzt gehen können. Dieser stellt dann einen Ersatzkrankenschein aus und verrechnet mit der Krankenkasse direkt.
Quelle: futureZone , 08.06.2005
