Blaue Zonen gibts in der Stadt seit 1989. Sie wurden gemäss Dienstabteilung Verkehr (DAV) geschaffen, um die Wohnquartiere vor übermässigen Verkehrsimmissionen zu schützen. Insgesamt haben 38 500 Autos innerhalb der blauen Linien Platz. Ungefähr gleich viele Jahreskarten werden an die Wagenbesitzer verteilt, zudem stellt die DAV mehr als 100 000 Tagesbewilligungen pro Jahr aus. «Vor allem für Handwerker, die von ausserhalb der Stadt nach Zürich fahren, war die bisherige Praxis recht mühsam», sagte Jürg Hellrigl, Mandatsleiter desE-Government-Projekts bei der DAV, gestern an einer Medienorientierung. «Sie konnten die Bewilligung an unseren Schaltern oder auf den Polizeiwachen ab 8 Uhr beziehen und waren dann erst um 9 statt bereits um 6 Uhr auf der Baustelle.» Deshalb habe man nach einer praktischen, zeitgemässen Lösung gesucht - und eine elektronische Plattform geschaffen: «Damit kann man bereits am Vorabend bequem von zu Hause aus die Bewilligungen im Internet bestellen und auch gleich ausdrucken», so Hellrigl weiter. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte. Beim Bezug einer Anwohnerparkkarte für die Dauer eines Jahres kann auch per Rechnung bezahlt werden. Neben dem neuen Online-Angebot wurden auch die Öffnungszeiten angepasst: Die beliebten Scheine sind am Schalter seit Beginn dieses Jahres bereits ab 7.30 Uhr erhältlich.
Bis der virtuelle Schalter eröffnet werden konnte, mussten einige harte Knacknüsse bewältigt werden. Der Datenschutz war dabei ein besonders kniffliges Problem, da die persönlichen Angaben des Antragstellers einer Anwohnerkarte zwischen Strassenverkehrsamt, Dienstabteilung Verkehr und dem Personenmeldeamt abgeglichen werden müssen. Denn erst wenn dieser Abgleich stattgefunden hat, ist der oder die Bestellende zum Kartenbezug berechtigt und kann die Bewilligung online beziehen. Zum Schutz vor Missbrauch hat die DAV eine eher restriktive Praxis für die Kartenbezüger geschaffen.
Fälschungssicherer Zahlencode
Jeder Antragssteller muss in der Stadt Zürich registriert sein, sonst wird ihm die Anwohnerkarte verweigert. «Ein weiteres grosses Problem war, die Karten vor Fälschungen zu schützen», weiss Hellrigl. «Dafür haben wir alles Menschenmögliche getan.» Es sei ein System ausgetüftelt worden, bei dem aus einer Zahlenkombination und den Daten des Antragsstellers ein «fälschungssicherer Code» resultiert.
Dieser Code steht dann gedruckt auf der Karte, die unter die Windschutzscheibe platziert wird. Die Kontrolleure haben diese mehrstelligen, verschlüsselten Zeichensysteme ebenfalls in ihren Geräten abgespeichert. Bei der Kontrolle zeigen die Maschinen sofort an, ob das Auto legal in der blauen Zone parkiert ist oder ob eine Busse verteilt werden muss. Bei der Entwicklung dieses Systems halfen der DAV die Hochschule Rapperswil sowie die ETH Zürich mit. Die Entwicklung hat rund ein Jahr gedauert.
In der Schweiz wirklich einzigartig?
Das Projekt sei in der Schweiz einzigartig, betonten die Herren der DAV gestern. Zürich nehme eine Vorreiterrolle ein. Und bereits hätten andere Städte wie Winterthur ihr Interesse an der Zürcher Neuheit angemeldet. Prompt meldete sich Werner Habegger, Ressortleiter Sicherheit der Stadt Adliswil: «Wir haben bereits seit dem vergangenen Juli, als wir die blaue Zone einführten, ein solches Angebot online aufgeschaltet.» Es sei zwar harzig angelaufen, und man hätte sich am Anfang sicher mehr Nachfragen gewünscht. Aber in der Zwischenzeit werde der E-Government-Dienst rege genutzt.
Die Zürcher DAV erhofft sich für die Stadt auch eine Art Signalwirkung für die anderen Abteilungen, damit in absehbarer Zukunft alle nötigen Papiere über Internet bestellt werden können. Die DAV hat ihre Dienstleistung seit Montag im Netz verfügbar - und bereits haben ein halbes Dutzend Personen davon Gebrauch gemacht.
Autor: Daniel Zumoberhaus
Quelle: Tages-Anzeiger, 16.03.2005
