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Japan? Wird überwacht. Finnland: Unter Dauerbeobachtung. Dass aber Europas erstes nationales UMTS-Netz in Österreich an den Start gehen würde, das hatte kaum einer auf dem Plan. Am 25. September 2002 begann in den Alpen die Zukunft. "Alle Landeshauptstädte mit Ausnahme von Salzburg", heißt es stolz, wenn auch etwas schwurbelig auf der Mobilkom-Homepage, "starten gleichzeitig in die mobile Generation der Zukunft". Sehr umständlich, aber dass überhaupt jemand südlich von Skandinavien noch in diesem Jahr mit UMTS beginnen würde, ist verwunderlich. Jetzt also prescht Österreich vor, mit "25 Prozent Population Coverage", wie das auf Neuhochösterreichisch heißt.

Hinter dem vermeintlichen Frühstart steht die Mobilkom Austria, Tochter der börsennotierten Telekom Austria. Bis zum Jahresende soll das Netz aus rund 1000 so genannten Basisstationen bestehen, die dann rund 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen.

Die Nachricht funkt mitten hinein in eine zunehmende UMTS-Nachrichtenmüdigkeit: Seit über zwei Jahren wird das kommende, goldene UMTS-Zeitalter mit wechselnder Intensität kommuniziert. Zum Höhepunkt der Hysterie, der Cebit 2000, klang das, als wäre UMTS dermaßen interaktiv und multimedial, dass sich bald überhaupt nur noch die Handybildschirme bewegen müssten. Seitdem wird zurückgeschraubt: Ganz so toll, geben immer mehr Entwickler zu, werde das alles vielleicht doch nicht. Jedenfalls nicht sofort. Außer in Österreich.

Warum das alles in den Alpen geht, und hier nicht

Der Österreichische Rundfunk ORF arbeitet bereits daran, Nachrichtensendungen UMTS-tauglich aufzubereiten, Reuters will Wirtschaftsnachrichten beisteuern und - natürlich - alle, alle Tore der österreichischen Bundesliga sollen dann zu sehen sein (sehr gute Augen vorausgesetzt). Ach ja, der Wetterbericht wird auch nicht fehlen.

Das alles klingt erfreulich und nach weit mehr, als UMTS-Nörgler in letzter Zeit für vorstellbar hielten. Wenn da nicht noch ein kleiner Haken wäre: Es gibt noch gar keine funktionierenden UMTS-Handys. Die, hofft Mobilkom-Chef Boris Nemsic, werden so in drei bis sechs Monaten folgen. Nokia stellt am Donnerstag erste Geräte vor, und durch die Bank schwört die Konkurrenz, sie wolle binnen weniger Wochen folgen. Der beginn der Serienproduktion ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Bis dahin funkt UMTS-Österreich mit 25 bis 40 Prozent Population Coverage tapfer ins alpine Nirvana. Mobilkom-Chef Nemsic: "Wir laden die Hersteller ein, ihre Geräte in unserem Netz, das ja bereits voll funktionstauglich ist, zu testen". Das klingt wie ein guter Plan, zumindest aber nach viel Platz.

Quelle: Der Spiegel

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