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Donnerstag, 26.02.2026
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Die wachsende Gemeinde der WLAN-Fans hat einen mächtigen Gegner bekommen: Das Pentagon will das Frequenzspektrum für Funknetze klein halten. WLANs, behauptet das US-Verteidigungsministerium, könnten zur Gefahr für militärische Radaranlagen werden. Hamburg hat sie, Berlin und München sowieso, auch in Frankfurt funkts, und jedes Unternehmen, das derzeit positiv von sich Reden machen will, leistet sich die Einführung von WLAN-Zugangsknoten. Auf das man "umsonst" per eingeklinktem Laptop surfen könne - ein schöner Service für die Kunden von Unternehmen von M wie McDonalds bis M wie Marriott. Die Mega-Hotelkette mit rund 2500 Häusern hat gerade eben angekündigt, ihre Gäste künftig auch mit schnellen drahtlosen Internet-Zugängen verwöhnen zu wollen. 400 Hotels sollen schon mal von LAN auf WLAN umgerüstet werden: Bye, bye Kabelsalat, es lebe die Welle.

Ungern hört man das im Pentagon, denn die US-Militärs fürchten ein rapides Anwachsen der UFO-Sichtungen, wenn es zum weiteren Ausbau der WLAN-Frequenzen komme: WLAN, sagt das US-Verteidigungsministerium, könne dann zum bedrohlichen Störfaktor für das Radar werden.

Noch sei das kein Problem.

Probleme haben allerdings schon heute die Betreiber von WLAN-Anlagen: Im Jahre 1 nach Eröffnung der ersten offenen Zugangsknoten wird es bereits eng im Funknetz. Das ermöglicht Netzwerkerei und Internetzugang mit bis zu 11 Megabits pro Sekunde - und wäre noch ausbaufähig. Dafür, sagt das Institute of Electrical and Electronical Engineers IEEE, der maßgebliche Entwickler des geltenden WLAN-Standards, brauche es aber eine Ausweitung des bisher freigegeben Frequenzspektrums.

Bisher funkt WLAN im 2,4 Gigahertz-Band und stört da wenig. Neue schnelle Wellen sieht die IEEE im Band zwischen 5 und 6 Gigahertz - und justamente dort tummelt sich auch das Militär. Militärische Radaranlagen arbeiten im Frequenzspektrum über 5 Gigahertz. Grund genug für die US-Militärs, schon mal warnend zu bellen und ein wenig zu beißen.

Denn erstens steht im US-Kongress ein Antrag zur Abstimmung, satte 250 Megahertz unterhalb der 6 Gigahertz-Schwelle exklusiv für WLAN-Anwendungen freizugeben - da möchte das Pentagon sicherstellen, das dies die richtigen 250 MhZ sind. Und zweitens wird im Juni des kommenden Jahres im Rahmen der World Administrative Radio Conference in Genf international festgelegt werden, welches Land künftig in welchen Frequenzbereichen welche Anwendungen wird betreiben dürfen.

Denn in zumindest diesem Bereich funktioniert die friedliche internationale Zusammenarbeit schon seit den Kindertagen des Radios.

Schnell entdeckte man, als Anfang der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts die ersten echten Radiostationen ihren Betrieb aufnahmen, das Phänomen des Spill-Over: Wo Welle auf Welle trifft, endet alles in Wellensalat. Den zu vermeiden wurde zu einer der wichtigsten Aufgaben des am 4. April 1925 gegründeten Weltrundfunkvereins unter dem schützenden Dach des Völkerbundes. Der Verein landete zur "International Telecommunication Union" ITU gewandelt unter dem Dach der UNO, und macht bis heute Vorgaben in Sachen Funk- und Telekommunikation.

Die sind rein formell zwar nicht bindend, werden aber in aller Regel befolgt: Nur zu Zeiten des Kalten Krieges kam es hier zu Ausreißern. Nun also hat das Lobbyieren begonnen: Das US-Verteidigungsministerium hat bis zum 2. Juni Zeit, die Entwickler und ITU-Verhandler dahin zu bringen, ihm nicht zu viel Frequenzraum abzuknappsen. Dagegen steht im Sinne des Wortes das öffentliche Interesse: WLAN mausert sich zum heißesten IT-Thema des Jahres, wird weithin als Konkurrenz und in vielen Bereichen gar Alternative zu UMTS gesehen.

Zum Interesse der WLAN-Fans gesellen sich zunehmend knallharte Wirtschaftsinteressen. Zum Sprachrohr einer wachsenden Anzahl von im Markt engagierten IT-Großunternehmen machten sich letztlich die US-Senatoren George Allen und Barbara Boxer mit ihrem "WiFi"-Antrag an den US-Kongress: "Breitbandiges Internet", hieß es in der Begründung, "wird dazu beitragen, eine träge Wirtschaft wieder zu beleben und wird zu Investitionen im Technologiesektor führen."

Und um zu erkennen, das der darbt, braucht man kein Radar. Branchenriesen wie Microsoft, Cisco und zuvorderst Intel haben sich in den letzten Monaten auf WLAN als Hoffnungsträger eingeschossen. Bereits in der letzten Woche sprachen Vertreter der drei Unternehmen im Pentagon vor, inzwischen ist ein prominentestes Anwaltsbüro mit der Sache betraut: Ring frei zur ersten Runde.

Quelle: Spiegel Online

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