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Samstag, 16.05.2026
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Die hauchdünnen Glasfasern können riesige Datenmengen schnell transportieren. Die Kapazität herkömmlicher Netze wird allmählich ausgeschöpft.

Auf eine der schnellsten Datenübertragungsmöglichkeiten setzt die Stadt Essen: Sie hat ein Zehn-Gigabit-Ethernet-Backbone installiert, eine superschnelle Übertragungsleitung, die das Rückgrat des städtischen Datenverkehrs bildet. Bytereiche Daten wie zum Beispiel Grundkarten oder große Datenmengen aus dem Vermessungswesen oder der Umweltüberwachung flitzen mir nichts, dir nichts zwischen den Abteilungen hin und her. Doch nicht nur die komplette Bürokommunikation sowie Internetanwendungen laufen ultraschnell durch das Glasfasernetz des regionalen Netzbetreibers CNE, an das die Stadt Essen angeschlossen ist. Die starke Hauptleitung verbindet auch das alte mit dem neuen Rechenzentrum, das als Backup-Knoten dient, also als Sicherheitsreserve. Am Essener IT-Netz hängen etwa 5000 Endgeräte.

E-Government im Zentrum

"Wenn man schon investiert, dann muss man auch in die Zukunft schauen", sagt Jürgen Kretschmann, Abteilungsleiter für Systeme und Netze bei der Stadt Essen, mit Blick auf weitere geplante Anwendungen. "Das Wichtigste ist E-Government, damit der Bürger via Internet mit der Kommune kommunizieren kann. Außerdem wollen wir unser grafisches Informationssystem ausbauen." Bei der Verwirklichung dieser ehrgeizigen Vorhaben setzen die Essener auf optische Netze. Deren Leitungen bestehen aus hauchdünnen Glasfasern.

"Die Glasfaser ist immer dann unschlagbar, wenn Bandbreiten gefragt sind", sagt Rainer Fechner, Vice President bei Lucent Technologies . Während herkömmliche Kupferadern für den Privatgebrauch und kleinere und mittelständische Unternehmen oft ausreichen, benötigen größere Firmennetze und besonders die IT-Netze der Betreiber und Service-Provider weitaus leistungsfähigere und weniger störanfällige Übertragungsmedien. Hier ist die Glasfaser erste Wahl.

Nach vielen Quartalen mit roten Zahlen und trotz eines noch immer wachstumsstarken DSL-Markts sehen die Netzwerkausrüster optische Hochgeschwindigkeitsnetze wieder stärker im Kommen: "Im Sprachbereich haben wir eine Sättigung, das Wachstum aber kommt aus dem Datenbereich", sagt Fechner. Und Stephan Neidlinger, der bei Siemens Information und Communication Networks für optische Netze verantwortlich ist, ergänzt: "Die Kommunikation ist immer stärker durch Datenanwendungen getrieben."

Kein Problem mit großen Mengen

Große Datenmengen stellen dabei für die Glasfaser kein Problem dar, weil in optischen Netzen die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts voll ausgenützt werden. Durch das Verfahren des Wellenlängen-Multiplexing, auch kurz DWDM (Dense Wavelength Division Multiplexing) genannt, können auf den verschiedenen Wellenlängen des Lichts sogar mehrere Datenkanäle gleichzeitig übertragen werden, sodass sich die Datenmengen noch einmal drastisch erhöhen lassen.

Ende der 90er Jahre waren viele Netzbetreiber neu gegründet worden und hatten kräftig in ihre Glasfaserinfrastruktur investiert. Nach dem Ende dieses Booms wurde es erst einmal ruhig um die optischen Netze. Die Anbieter erweiterten ihre Netze nicht, sondern versuchten wegen Nachfragemangels ihre bestehenden Netze besser zu nutzen. "Diese Phase löst sich langsam auf, weil die Kapazitäten ausgeschöpft sind", sagt Siemens-Mann Neidlinger.

Dass optische Netze wieder stärker genutzt werden, bestätigt auch Fechner. Lucent habe zunehmenden Bedarf in Ballungszentren sowie im Zugangsnetz, weil die Unternehmen durch die Globalisierung immer mehr Standorte miteinander vernetzen müssten, um Daten auszutauschen. Wie zum Beispiel bei Lan-zu-Lan-Verbindungen über Ethernet, eines Datenübertragungsstandards, den Unternehmen in ihren IT-Netzen häufig einsetzen.

T-Com bietet Geschäftskunden seit kurzem einen speziellen Fast-Ethernet-Dienst an, der Übertragungsraten bis zu 100 Megabit pro Sekunde ermöglicht und ohne teure Router auskommt, die der Kunde anschaffen müsste. Geeignet ist das Netz für Byte fressende Intranet-Anwendungen wie E-Mails mit Anhängen oder Power-Point-Präsentationen sowie zum Versand von Zeichnungen aus dem Automobilbereich oder hochaufgelöster Röntgenbilder, allesamt datenreiche Dateien.

Tempo und Service

Doch Tempo ist nicht alles: "Es geht immer weniger um Übertragungsgeschwindigkeit und Bandbreite, sondern darum, dass Service-Provider in ihren Groß- und Weitverkehrsnetzen spezifische attraktive Dienste wie zum Beispiel die Übernahme von Datenbankverkehr anbieten können", sagt Frank Brockners, Cheftechnologe für Ethernet und optische Technologien beim Netzwerkausrüster Cisco Systems. Für Unternehmenskunden sei es interessant, wie viele Anwendungen, etwa Datenbankverkehr und SAP-Lösungen, man auf einer Wellenlänge abbilden könne.

Als Übertragungsstandard gelten für optische Netze heute zehn Gigabit pro Sekunde, technisch möglich sind jedoch 40 Gigabit. Hersteller testen aber bereits Übertragungen mit Raten bis in den Terabitbereich, also 1000-mal schneller als Gigabit. So arbeitet zum Beispiel Siemens an Lichtleitertechnik der nächsten Generation ("transparente optische Netze"), die weitaus weniger elektrische Regeneratoren benötigt, mit denen die Lichtsignale auf langen Strecken immer wieder aufgefrischt werden müssen.

Im Wettstreit der Netzwerkausrüster um die Weiterentwicklung optischer Technik solle in jedem Fall der Kunde profitieren, fordert Lucent-Manager Fechner: "Die Betriebskosten der Netzbetreiber müssen gesenkt werden, indem Geräte und Systeme skalierbarer werden, weniger Strom und Fläche verbrauchen - sodass der Kunde mehr Leistung für weniger Geld bekommt."

Quelle: Financial Times Deutschland, 06.12.2003

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