Arne Tutschapsky hat seine Arbeit erledigt, jetzt ist die Stadtverwaltung dran. Ein Jahr hat sich der Schüler des Sebastian-Münster-Gymnasiums mit dem Thema "Virtuelles Rathaus für Ingelheim" auseinandergesetzt. Die Ergebnisse seiner Facharbeit stellte er Oberbürgermeister Gerhard und einer Kommission bereits vor. Und der Schüler ist zuversichtlich, dass seine Ideen nicht einfach in den Schubladen der Amtsstuben verschwinden werden. Geöffnet hat es 24 Stunden am Tag, und man muss noch nicht mal persönlich aufkreuzen. "Man möchte zum Beispiel einen Hund anmelden und geht dafür auf die Internetseite seines Wohnorts. Dort füllt man das passende Formular aus, bestätigt seine Identität und sendet die gewünschten Daten an die städtische Verwaltung. Der Auftrag wird effizient und schnell bearbeitet, ohne dass der Hundebesitzer einen Fuß vor die Tür setzen musste", beschreibt Arne Tutschapsky die Möglichkeiten des "virtuellen Rathauses". Sämtliche Dienstleistungen und Informationen der Stadt sollen im Internet angeboten werden. Aber auch die Arbeit innerhalb der Verwaltung soll nach seinen Vorstellungen durch das so genannte "eGovernment" erleichtert und dadurch effizienter werden.
Um an Informationen für seine Facharbeit zu kommen, hat der 18-Jährige Bücher gewälzt, Gespräche mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung geführt und natürlich den Internetauftritt der Stadt unter www.ingelheim.de analysiert. Die Voraussetzungen für ein "virtuelles Rathaus" in Ingelheim seien durchaus geschaffen, lobt der Schüler. "Positiv ist mir aufgefallen, dass die Stadt eine gute PC-Ausrüstung hat", sagt Arne Tutschapsky.
Auch Formulare kann man sich schon zu Hause ausdrucken und ausfüllen - der Weg in die Verwaltung bleibt den Ingelheimern aber noch nicht erspart. Die ersten Schritte in Richtung "virtuelles Rathaus" sind also gemacht, sagt er. Und im Vergleich mit anderen Städten der Größenordnung liege Ingelheim gar nicht mal schlecht. Trotzdem: Kritik bleibt nicht aus, der Schüler hat einige Verbesserungsvorschläge zu machen, "die unbedingt in nächster Zeit angegangen werden müssen". Das Layout des Internet-Auftritts müsse beispielsweise modernisiert und die Seite benutzerfreundlicher gestaltet werden. Sein Vorschlag: Eine professionelle Firma sollte beauftragt werden, um den Internet-Auftritt zu überarbeiten. Trotz Kosten schlägt er zudem vor, die EDV-Abteilung personell aufzustocken. Schließlich muss die Verwaltung ja für die Zukunft gerüstet sein. Denn: Arne Tutschapsky empfiehlt der Stadt, der bundesweiten Entwicklung zu folgen. Manche Probleme lassen sich nämlich erst dann lösen, wenn die Rechtslage bundesweit geklärt ist. Zum Beispiel, was die "digitale Signatur" angeht. Noch kann man online Dokumente nicht unterschreiben. Wenn aber im Jahr 2006 die "digitale Signatur" eingeführt werde, müsse sich auch Ingelheim an die neue Situation anpassen und die Onlineangebote überarbeiten. Um Fehler zu vermeiden, schlägt der Schüler zudem vor, dass Ingelheim den Kontakt zu anderen Städten sucht. So könnten bei der Entwicklung des "virtuellen Rathauses" gemeinsame Strategien entwickelt werden.
Bei aller Euphorie, auch Arne Tutschapsky bleibt kritisch: "Es muss den Bürgern weiterhin offen stehen, ob sie den persönlichen Kontakt im Rathaus wollen oder sich zu Hause an den Computer setzen." Zudem müsse auf die Sicherheit geachtet werden. Nicht jeder Mitarbeiter innerhalb der Verwaltung dürfe auf alles Zugriff haben.
Ein Jahr hat Arne Tutschapsky in seiner Freizeit an der Facharbeit gesessen, mit einigen Pausen versteht sich. 15 Punkte, die Bestnote, hat er abgestaubt. Ob er auch die Stadtpolitiker überzeugen konnte, werden die Bürger in einiger Zeit ja merken. Auch in Zukunft will Arne Tutschapsky am Computer arbeiten. Nach seinem Abitur im Frühjahr hat er aber erst einmal ganz andere Pläne. Nicht Zukunftstechnologien, sondern vergangene Zeiten interessieren ihn dann. Als Zivildienstleistender möchte er an der Kaiserpfalz bei Ausgrabungen mitmachen.
Quelle: Main-Rheiner, 25.11.2003
