Gegenüber dem Vorgänger wurde das "V-Modell XT" -- XT steht für "eXtreme Tailoring" -- dem neuesten Stand des Systems Engineering angepasst, um aktuelle Vorschriften und Normen erweitert und nach dem Baukastenprinzip flexibilisiert. Das erlaubt je nach Projektart ein maßgeschneidertes Vorgehen, das durch Dokumentvorlagen wie beispielsweise Plan- oder Angebotsbausteine unterstützt wird. Die Abwicklungsplattform ist organisationsneutral gestaltet und unterliegt keiner Einschränkung durch Nutzungsrechte, sie kann daher auch außerhalb des öffentlichen Bereiches in der Projektwirtschaft lizenzfrei beliebig adaptiert und eingesetzt werden.
Auf der Veranstaltung zum Release der XT-Version an der TU München freute sich Bundesinnenminister Otto Schily am heutigen Freitag über die gelungene Public-Private-Partnership und begrüßte das neue Regelwerk als "einen Beitrag zur Qualität des Wirtschaftsstandorts Deutschland". Zugleich lobte er das Team um die Professoren Manfred Broy (TU München) und Andreas Rausch (TU Kaiserlslautern) für die beispielhafte Einhaltung des Zeit- und Kostenrahmens, durch die sie "das Modell schon mit einem Gütesiegel versehen" hätten. Das Planungstool sei "optimal anwendbar" auf die Bedürfnisse der Bundesverwaltung und schaffe die Voraussetzungen, dass "IT-Projekte zielgenau durchgeführt werden können".
Für die Großprojekte des Bundes wie die Mauterfassung, die Arbeitslosengeld-II-Software oder die elektronische Gesundheitskarte, kommt es freilich zu spät; dort hat sich offenbar schon das alte V-Modell nicht so recht bewährt. Aber auch das neue Vorgehensmodell ist zunächst einmal nur ein Werkzeug; es jetzt in den Köpfen der Systementwickler und Projektverantwortlichen zu verankern sei "eine riesige Herausforderung", bekannte der Präsident des Bundesamtes für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr.
Autor: (Richard Sietmann) / (jk/c't)
Quelle: Heise online, 04.02.2005
