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Der immense Bedarf an kosteneffizienter und moderner Gesundheitsversorgung sorgt für einen Aufschwung bei IT-Lösungen, wie beispielsweise der elektronischen Patientenakte (EPA). Allein im Jahr 2003 verzeichnete der Europamarkt für EPA-Softwarelizenzierung und -Wartungsverträge eine Wachstumsrate von 19,2 Prozent und erreichte damit ein Volumen von 207 Millionen Euro. Bis 2010 soll der Marktwert bereits bei 688 Millionen Euro liegen, wobei 80 Prozent des Umsatzes auf EPA-Systeme für größere Institutionen und 20 Prozent auf Systeme zum Einsatz in der Primärversorgung entfallen dürften. Trotz aller positiven Aussichten warnt die Unternehmensberatung Frost & Sullivan in einer heute in Frankfurt am Main vorgestellten Analyse jedoch davor, dass das Marktpotenzial ungenutzt bleibt, falls es den Anbietern nicht gelingt, Kontinuität und Einheitlichkeit in den Informationsaustausch zu bringen.

"Mittlerweile hat man erkannt, dass die elektronische Patientenakte mehr ist als nur eine andere Version der Papierakte", kommentiert Siddharth Saha, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan. "So werden die Informationen aus der EPA beispielsweise für geschäftsanalytische Modelle zur Überwachung von Prozessen und Arbeitsabläufen genutzt."

Größtes Umsatzwachstum in Deutschland, Frankreich und England zu erwarten

Bezogen auf den Prognosezeitraum bis 2010 wird das Marktwachstum laut Frost & Sullivan in den Jahren 2005 und 2006 mit einer durchschnittlichen Zunahme von 22,4 Prozent seinen Höhepunkt erreichen. Dafür sollte die verstärkte Implementierung von EPA-Systemen in den großen Ländermärkten Deutschland und Frankreich sorgen. Auch in Großbritannien steigt dank diverser Regierungsinitiativen zur Modernisierung der IT-Infrastruktur im staatlichen Gesundheitsdienst (NHS) derzeit die Nachfrage. So dürften diese drei Länder 2010 denn auch gemeinsam den größten Umsatzanteil im Europamarkt erwirtschaften.

Insgesamt ist davon auszugehen, dass das Marktwachstum in den nächsten Jahren durch von offizieller Seite finanzierte Initiativen vorangetrieben wird. Allerdings werden die Regierungen IT-Lösungen zunächst skeptisch gegenüberstehen, da noch zu viel Verwirrung über Standards sowie über gesetzliche Rahmenbedingungen zu Themen wie Datensicherheit und Datenschutz herrscht.

Der Markt präsentiert sich momentan fragmentiert, wobei mehrere Akteure Systeme mit Nischenfähigkeiten anbieten. Dieses Szenario erschwert die Konsensbildung, wenn es um Industriestandards für Datenkommunikation und medizinische Terminologie geht. Weitere Probleme ergeben sich aus den uneinheitlichen Gesundheitssystemen der europäischen Länder. "Unterschiede bei Zahlungssystemen und klinischer Terminologie und Schwierigkeiten bei der Datenübertragung zwischen Kliniken, Arztpraxen und Zahlungsorganisationen selbst innerhalb der einzelnen Länder schlagen sich unweigerlich auch auf die Funktionsfähigkeit von EPA-Systemen nieder", meint Saha.

Das Potenzial ist bei weitem nicht ausgeschöpft

"Das Potenzial der elektronischen Patientenakte wird bei weitem nicht vollständig ausgeschöpft, wenn sie nur für Nischenanwendungen eingesetzt wird?, so Saha weiter. "Es ist dringend nötig, dass sich die Beteiligten über allgemein akzeptierte Standards für medizinische Terminologie, Datenaustausch und Datensicherheit einigen. Grundvoraussetzung hierfür ist die langfristige Kooperation zwischen Herstellern, Verkäufern, Entscheidungs- und Kostenträgern." Als weitere Schlüsselherausforderung betrachtet Frost & Sullivan die Klärung der Frage, wem die Verantwortung übertragen werden soll, die strategische Richtung für die Branche zu definieren.

Autor: (as)

Quelle: de.internet.com, 01.07.2004

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