Zu den Anschaffungsgebühren müssten die laufenden Gebühren bei der digitalen Signatur gerechnet werden. Jährlich würden mindestens weitere 10 Euro pro Karte auflaufen, die von den Versicherten getragen werden müssten, die die digitale Signatur haben wollen. Die Fähigkeit zur digitalen Signatur ist erforderlich, wenn die Patientenakte auf Servern gespeichert wird. Dort soll die Karte mit den Signierschlüsseln von Arzt und Patient vor unbefugtem Zugriff gesichert werden. Die Kritiker bemängeln die Vertuschung der wahren Kosten und propagieren im Gegenzug Lösungen wie die Speicherung der Daten inklusive der Patientenakte auf einer Mini-CD, die vom Patienten zum Arzt mitgenommen wird.
Allgemein wird angenommen, dass die elektronische Patientenakte das größte Potenzial zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen aufweist. "Rund 30 Prozent der Gesundheitskosten werden durch die Dokumentation von Patientendaten verursacht", behauptet Rolf Reinema vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informations-Technologie (SIT), "die Elektronifizierung der Geschäftsprozesse im Gesundheitswesen bietet deshalb große Einsparmöglichkeiten." Sollten Patienten für diese elektronische Akte bezahlen müssen, so werden nur wenige sich mit der Führung einer elektronischen Patientenakte befassen. Vor allem die chronisch Kranken bzw. diejenigen, die an einem Disease Management Programm teilnehmen, werden die elektronische Patientenakte nutzen. Für Diabetiker kostet eine derartige elektronische Akte beim marktführenden Anbieter Intercomponentware 58,80 Euro im Jahr. Für den großen Rest der Versicherten besteht kein Ansporn, sich auf die Digitalisierung der Patientenakten mitsamt der digitalen Signatur einzulassen. Auch den Ärzten werden keine finanziellen Anreize zur Hand
Zur elektronischen Gesundheitskarte und der Reform des Gesundheitswesens siehe auch:
- Starker Mann, was nun?
- Ulla Schmidt: Die Gesundheitskarte kommt
- Konzept-Termin für elektronische Gesundheitskarte ist geplatzt
- Zweigleisige Probephase für die elektronische Gesundheitskarte
- Gesundheitsministerin: Die elektronische Gesundheitskarte kommt pünktlich
- Im Auge des Sturms
- Der Zeitplan wackelt
- Weitere Vorschläge zur Finanzierung der elektronischen Gesundheitskarte
- Risikopatient, Die Gesundheitskarte, ein gigantisches IT-Projekt -- wird es zur "Maut II"?, c't 15/04, S. 94
- Wer finanziert die elektronische Gesundheitskarte?
- Patientendaten sicherer beim Arzt?
- Der elektronische Arztausweis kann kommen
- Transparente Gesundheitsdaten für alle
- Auch Frankreich bekommt eine Gesundheitskarte
- Erstes Lösungskonzept vorgestellt
- Kampf dem Chipkartenbetrug
- EDV-Experten warnen vor IT-Desaster im Gesundheitswesen
- Gesunder Datenschutz bei der Gesundheitskarte fraglich
- Elektronische Gesundheitskarte soll eine Milliarde einsparen
Autor: Detlef Borchers / (jk/c't)
Quelle:Heise online, 13.10.2004
