Doch auch bei wechselwilligen IT-Verantwortlichen steht Linux auf der Investitionsliste zurzeit noch weit hinten. 54,2 Prozent der Unternehmen wollen im kommenden Jahr sicher oder vielleicht auf andere Betriebssysteme umsteigen. Von diesen Wechselwilligen aber gaben nur 6,4 Prozent an, sowohl client- als auch serverseitig auf Linux umstellen zu wollen. Zum Vergleich: 52,9 Prozent würden Windows 2000 wählen, 49,3 Prozent Windows Server 2003 (Mehrfachnennungen möglich). Lediglich gegen die alten, noch auf Microsoft DOS basierenden Betriebssysteme Windows 95, 98 und Me kann sich Linux behaupten. Das neuere Windows XP liegt jedoch mit 10,7 Prozent wieder deutlich vor Linux. Ein erheblicher Zuwachs der Linux-Installationen wird jedoch im Bereich der Server erwartet.
Auch der Fachhandel hat bisher keine nennenswerte Nachfrage nach Open-Source-Software registriert. Fast drei Viertel (73,1 Prozent) der Fachhändler geben an, dass diese Produkte in bisherigen Projekten keine nennenswerte Rolle gespielt haben. Bis 2006 erwarten 34,5 Prozent eine große Nachfrage nach Linux-Produkten. Im öffentlichen Sektor hingegen könnten Linux & Co. in den kommenden Jahren weitere Verbreitung finden. Dieser ist zurzeit einer der Hauptabnehmer von Open-Source-Betriebssystemen in Deutschland. In den nächsten zehn Jahren wird mehr als die Hälfte der Anwendungen im öffentlichen Sektor unter Linux laufen. Das schätzen die Experten von Mummert Consulting. Der Grund: Hier finden sich besonders gute Voraussetzungen für die Arbeit mit Linux. Als Faustregel gilt: Das System lohnt sich bei Änderung der Betriebssystem-Plattform, wenn neue Applikationen im Serverbereich gesucht und mehr als zehn Server zusammengeschlossen werden. Die Bundesregierung hat den Pinguin nicht nur auf die Server des Bundestags geholt. Sie hat die IT-Verantwortlichen im Bund gleichzeitig aufgefordert, den Einsatz von Open-Source-Software zu prüfen und zu nutzen - oder die Ablehnung zu erklären. Der Hintergrund der Fürsprache: Der Bund will eine Landschaft mit konkurrierenden Produktanbietern fördern. Zudem sollen die Beschaffungskosten für Betriebssysteme möglichst gesenkt werden. Beide Ziele kann Linux unterstützen.
Ein Beispiel für ein Linux-Großprojekt im öffentlichen Sektor ist das Niedersächsische Vorgangsbearbeitungs-, Analyse-, Dokumentations-, und Informations-System, kurz NIVADIS - das neue All-round-Computersystem der Niedersächsischen Polizei. Es wurde vor rund vier Wochen in Betrieb genommen. Genau wie sein Vorgänger MIKADO-aktuell soll NIVADIS rund zehn Jahre laufen, bevor es ersetzt wird. Mit gut 11.000 PCs und mehr als 100 Servern ist es bundesweit das bisher größte Linux-Projekt. Die erste Bilanz der Nutzer ist positiv. Durch die Ablösung von 23 Altverfahren und weiteren papiergebundenen Prozessen findet eine Konzentration auf Vollzugsaufgaben statt. Das System integriert erstmals alle vollzugspolizeilichen Prozesse der Vorgangsbearbeitung, Fahndung, Recherche, Statistik und Führungsinformation. Dabei wird konsequent auf das Prinzip der Einmalerfassung der Daten für die nachfolgenden Prozesse abgestellt. In diesem Funktionsumfang ist NIVADIS in Deutschland führend und einzigartig in Europa. Nach eigenen Angaben spart die Behörde mit Linux und NIVADIS rund 117 Millionen Euro in zehn Jahren. Die Einsparungen durch Linux-Clients gegenüber Windows XP schlagen allein mit 20 Millionen Euro zu Buche. Sie entstehen vor allem durch die zentrale Administration des Systems, Personalkosteneinsparungen bei der Systembenutzung und den Wegfall von Lizenz- und Wartungskosten der Betriebssysteme. Der Einsatz eines offenen Betriebssystems bedeutet jedoch keinesfalls zwangsläufig den Einsatz offener Softwareprodukte, wie das Beispiel NIVADIS zeigt. Marktführende Standardsoftware läuft häufig auf Linux-Systemen.
Genau darum ist Open Source bei Großprojekten häufig wirtschaftlicher als andere Betriebssysteme: Je mehr Rechner angeschlossen werden, desto günstiger wird es, wenn keine neuen Lizenzgebühren anfallen. Schon als Insellösung wie jetzt in Niedersachsen lohnt sich der Einsatz einer Open-Source-Plattform. Darüber hinaus ließe sich ein Computersystem basierend auf einem Open-Source-Betriebssystem auch in einem größeren Rahmen realisieren. Zurzeit kristallisiert sich heraus, dass eine Kooperation mit maximal drei beteiligten Bundesländern am effektivsten ist.
Quelle: de.internet.com
