"Wir sind zum Umstieg verdammt", erklärt Manfred Piechowski, IT-Manager des Bezirks Tempelhof-Schöneberg und verweist auf die "desolate Haushaltslage" der Kommunen. Treibende Kraft der Berliner Open-Source-Initiative ist laut Computerwoche Gunnar Stöcker, Leiter der überbezirklichen Geschäftsstelle zur Koodinierung und Beratung bezirklicher IT-Verfahren, kurz KoBIT genannt. "Wir suchten einen Migrationsweg und wollten dabei eine Alternative zum Monopolisten Microsoft prüfen", so Stöcker.
Würden alle zwölf Bezirke umsteigen, wären rund 25.000 PCs betroffen, die wie in München fast ausschließlich unter dem Betriebssystem Windows NT 4.0 arbeiten. "Windows XP ist für uns keine realistische Alternative", erklärt der Tempelhof-Schöneberger IT-Manager Piechowski, denn dafür müssten auch jede Menge PCs ausgetauscht werden, wofür die Mittel nicht reichten.
Mit dem Münchener Linux-Großprojekt, kurz Limux genannt, ist die Situation in Berlin nur bedingt vergleichbar, denn in der Bundeshauptstadt entscheidet jeder Bezirk selbständig über seine IT-Strategie.
KoBIT-Leiter Stöcker zufolge schließe eine Pro-Linux-Strategie aber anders als in der Stadt München, die sich laut Stadtratsbeschluss vom 28. Mai 2003 für den kompletten Austausch von Windows-Systemen entschieden habe, keinen Anbieter aus. Für die Berliner Bezirke stelle sich nicht die Frage "Windows oder Linux". Die Frage sei vielmehr: "Wie können wir mit gemischten Welten am wirtschaftlichsten leben?"
Das Land Berlin hat auf der CeBIT 2004 gerade erst einen Rahmenvertrag mit Microsoft geschlossen, der Pilotprojekte in den Bereichen E-Government und E-Learning einschließt. Treibende Kraft war laut Computerwoche Wolfgang Branoner, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland und zuvor Berliner Wirtschaftssenator, der internen Quellen zufolge sehr zum Ärger der Linux-Befürworter alte Kontakte nutze, um den Rahmenvertrag zu erhalten.
Autor: (kh)
Quelle: ComputerPartner, 07.09.2004
